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Zeit zum Heranwachsen

Über die Bedeutung der Sozialisierungsphase liest und hört man ja genug. Was so ein kleines Hunderl nicht alles kennenlernen muss. In der Praxis besteht allerdings die Gefahr, dass statt einer sensiblen Sozialisierung eine völlige Überforderung des Welpen stattfindet. Wie schon im letzten Blogartikel erwähnt, geht es meiner Meinung nach viel mehr darum, in diesem Lebensabschnitt dafür zu sorgen, dass Ihr Welpe ein positives Weltbild entwickelt und vertrauensvoll und mit gesunder Neugierde hinaus ins Leben geht.

 

Menschen sind nett. Sind Menschen nett?

Wir alle wünschen uns Hunde, die Menschen mögen. Was liegt also näher, als aufzupassen, dass der Feldzwerg nur gute Erfahrungen mit Menschen macht. Schlechte Erfahrungen sollten Sie tunlichst vermeiden, denn die ändern die Botschaft von „Menschen sind nett“ zu „Menschen sind NICHT nett“.

 

  • Angefasst zu werden, wenn man das nicht möchte, ist eine schlechte Erfahrung
  • Körpersprachlich bedroht zu werden – meistens unbeabsichtigt – ist eine schlechte Erfahrung.
  • Zu erleben, dass die eigenen Signale („bitte hör auf“, „komm nicht näher“, „ich bin verwirrt“, „ich habe Angst“, …) vom Gegenüber nicht erkannt oder womöglich ignoriert werden, ist ebenfalls eine schlechte Erfahrung.

 

Ihr Welpe sieht bestimmt absolut knuffig aus und natürlich habe ich für jeden Verständnis, der von so einem Zwergerl entzückt ist. Doch daraus leitet sich noch lange nicht das Recht ab, tatsächlich hinzufassen. Leider gibt es sehr viele Menschen, deren Impulskontrolle in Gegenwart eines herzigen Fellbündels äußerst schlecht entwickelt ist und die nicht widerstehen können, einen fremden Welpen anzufassen. An der Stelle kommen Sie ins Spiel – als Bodyguard Ihres Hundes. Und Sie entscheiden, ob es für Ihren Welpen genau jetzt in Ordnung ist, genau von dieser Person angefasst zu werden. Und „in Ordnung“ ist im Grunde zu wenig. Kontakt mit Menschen sollte für Ihren Hund nicht nur „in Ordnung“ sondern „richtig gut“ sein – oder eben nicht stattfinden.

 

Knurren ist Kommunikation

 

„Unduldsam sollte man nur gegen sich selber sein, nicht gegen andere.“
Hermann Hesse

Sollte es für Ihren Kleinen nicht „richtig gut“ sein und er zeigt deutliches Abwehrverhalten, knurrt womöglich, dann respektieren Sie die Grenzen, die Sie gerade aufgezeigt bekommen. Ihren Welpen dafür zu schimpfen, dass Sie nicht rechtzeitig erkannt haben, dass es ihm zu viel wird und er daher deutlichere Signale zeigen musste, ist äußerst unfair und ganz und gar nicht hilfreich.

Vergessen Sie nicht: Menschen sind nett, das sollte die zentrale Botschaft der Begegnungen sein.

 

Jeder mag jeden!?

 

Ähnliches gilt für Hundebegegnungen. Da möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch auf ein wichtiges Detail lenken: Hunde sind nett und kein Grund zur Aufregung. Es ist nicht notwendig, angstvoll jede Hundebegegnung zu vermeiden. Es ist aber auch keine gute Idee, wenn Sie den Kleinen ungebremst in jeden fremden Hund laufen lassen. Dass der Welpenschutz eine fromme Legende ist, sollte sich inzwischen ohnehin herumgesprochen haben. Am besten ist es, sich rechtzeitig durch Zuruf zu verständigen, ob eine Begegnung für beide Teams möglich und wünschenswert ist. Wenn nicht, dann ist es eine wichtige Lektion fürs Leben, in angemessenem Abstand möglichst unaufgeregt am Artgenossen vorbeizugehen.

 

 

 

 

Gleichzeitig Erlebtes und Empfundenes wird verknüpft!

„Erfahrung ist der beste Lehrmeister. Nur das Schulgeld ist so hoch“    Thomas Carlyle

Keinesfalls ist es eine gute Idee, mit dem Fellzwerg zur Hundewiese zu gehen und ihn dort seinem Schicksal zu überlassen, weil sich die Hunde ja bekanntlich eh alles untereinander ausmachen. Dabei ist die Gefahr zu groß, dass es zu unerfreulichen Begegnungen kommt, der Kleine sich erschreckt, über den Haufen gerannt wird und unangenehme womöglich schmerzhafte Erlebnisse mit Artgenossen in Verbindung bringt. Und dadurch womöglich fürs Leben lernt, dass andere Hunde Schmerz, Bedrohung oder Ärger bedeuten.

 

 

Menschen und Hunde kennen zu lernen ist wichtig für Ihren Welpen. Andere Haustiere, vor allem Katzen sollte er ebenfalls kennenlernen, auch wenn es bei Ihnen im Haushalt keinen Stubentiger gibt. Kühe, Pferde, Schafe, Hühner etc. stehen durchaus auch auf der Liste aber auf gar keinen Fall alle auf einmal und auch nicht aus unmittelbarer Nähe. Aus sicherer Entfernung schauen, riechen, fühlen – das ist oft viel nachhaltiger als direkter Kontakt.

 

Straßenverkehr und städtische Situationen gehören auch zum Programm – zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichem Wetter. Doch auch hier gilt: es muss für Ihren Welpen nicht erste Reihe fußfrei sein. Ein bisschen weiter hinten und so, dass er nicht Gefahr läuft, geschubst oder gar getreten zu werden, sondern die Gelegenheit hat in Ruhe die vielen Eindrücke aufzunehmen, ist der besser Platz dafür.

 

Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf

 

Dass Sie nach einem solchen aufregenden Stadt-Event für ausreichend Verarbeitungszeit im Sinne von Schlaf und Ruhe sorgen, versteht sich von selbst. Hunde brauchen viel Zeit, um zu dösen und zu schlafen – und Hundebabys noch viel mehr. Viele Probleme mit Hunden sind auf fehlende Pausen, auf zu wenig Gelegenheit für Ruhe und Entspannung zurückzuführen.

 

Entspannung ist trainierbar

– ähnlich wie ein Muskel. Doch Sie können nicht erwarten, dass Ihr Welpe so ganz von alleine lernt, sich zu entspannen. Es gibt auch solche Exemplare, aber viele Hunde brauchen dabei Unterstützung und vor allem die notwendigen Rahmenbedingungen, wie  Zeit, Raum und die entsprechenden Rituale, damit Entspannung stattfinden kann. Gerade bei den sogenannten Arbeitshunderassen, die derzeit so sehr in Mode sind, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass sie ohne Hilfe zu Entspannungsprofis werden. Und hier gilt jedenfalls der alte Spruch „Früh übt sich, was ein Meister werden will.“

Natürlich ist die Liste dessen, was Ihr Welpe kennenlernen soll, damit nicht vollständig. Aber denken Sie immer daran, die Qualität des Erlebten ist entscheidend und das, was der Welpe damit verknüpft. Es hat wenig Sinn, den Welpen im Viertelstundentakt neuen Eindrücken auszusetzen und ihm nicht die Zeit zu geben, seine Eindrücke entsprechend zu verarbeiten.

„Wichtiger als der richtige Weg ist die richtige Richtung“    Stefan Persson

Schließlich möchten Sie ja, dass er später aufgrund seiner Erfahrungen und dem, was er daraus gelernt hat, ein souveräner und gelassener Hausgenosse wird.

 

Und dafür ist es wichtig, dass sie das Lernpensum in kleine und leicht verdauliche Häppchen aufteilen, für ausreichend Ruhe und damit Verarbeitungszeit sorgen und vor allen Dingen auf die Signale Ihres Kleinen angemessen reagieren.

Ihr Hundekind wird es Ihnen danken.

Mit herzlichem Gruß

Ihre

Karin Immler

 

NS: Dieser Blogbeitrag ist Teil der Blogparade „Blogger-Online-Ratgeber für Welpen“

 

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