Gutes Training ist freundliches Training

Gutes Training ist freundliches Training

Unser Alltag bringt allerhand Unvorhergesehenes mit sich. Jeder von uns kann es passieren, dass wir unsere Hunde in eine ungute Situation bringen, sei es aus Unachtsamkeit, sei es, weil etwas passiert, was wir nicht vorhersehen oder beeinflussen können. Die meisten von uns machen sich große Vorwürfe, wenn das geschieht. Aber das Leben ist eben manchmal so. Ich habe großes Verständnis, für solche Vorkommnisse, sowohl als Privatmensch als auch als Trainerin.

 

 

„Hundeerziehung ist kein Gegeneinander. Auch wenn es viele „Fachleute“ so darstellen. Es geht auch miteinander“ Kim Ulrich

Überhaupt kein Verständnis habe ich dagegen, wenn ein Hund vorsätzlich in eine Situation gebracht wird, die er nicht oder nur schlecht bewältigen kann. Das ist einfach unfair und gehört sich nicht für eine BindungspartnerIn. Schließlich sind Sie die Vertrauensperson Ihres Hundes! Wenn so etwas dann auch noch im Rahmen eines professionell angeleiteten Trainings passiert, dann platzt mir wirklich der Kragen.

Was für eine armselige Herangehensweise ist das!

 

Wir wissen so vieles über Hunde, über ihr Kommunikationsverhalten und darüber, wie sie lernen. Sollte es nicht selbstverständlich sein, dieses Wissen in die tägliche Arbeit mit Hunden und Menschen mit einzubeziehen?

 

Lernen braucht gute Atmosphäre

Lernen findet am besten statt, wenn Mensch oder Hund – ja genau, es ist bei beiden gleich – sich gut fühlt, seine Grundbedürfnisse gedeckt sind und eine angenehme (Lern-) Atmosphäre herrscht. Weiters förderlich ist es, wenn wir die lehrende Person mögen, auch alle anderen, die beteiligt sind, und wenn uns das Thema interessiert. Noch einmal: da geht es uns allen gleich, Menschen wie Hunden.

 

Können Sie so lernen?

Wären Sie in der Lage, Vokabeln zu lernen, während Ihnen jemand auf die Zehen tritt oder Sie gar am Hals würgt? Könnten Sie sich darauf konzentrieren, eine Rechenaufgabe zu lösen, während Sie angeschrien werden? Wie würde es sich anfühlen, eine ungewohnte Yogaposition zu üben, während sich jemand bedrohlich über Sie beugt?

 

„Denn schnell oder nicht schnell hängt bei gewaltsamem Training einfach davon ab, wie brutal der Trainer vorgeht, bei gewaltfreiem Training dagegen, wie viel er von Hunden versteht“ Ute Rott

Sie merken bestimmt schon, worauf ich hinauswill. Sie haben die Entscheidungsgewalt (was für ein schreckliches Wort) darüber, wie Sie eine Lernsituation gestalten. Das beginnt schon bei der Zeit. Macht Ihr Hund üblicherweise jetzt sein Mittagsschläfchen, das ihm wert und wichtig ist? Oder war der Vormittag extrem anstrengend, weil Tante Fine mit den beiden Kindern da war? Dann verschieben Sie die Trainingseinheit vielleicht besser.

 

Wo wird geübt? Ist es dort angenehm oder zieht es schrecklich, ist es laut und kann man dort ungestört üben? Ist der Untergrund hundegeeignet? Wenn Sie beispielsweise „sitzenbleiben“ mit Ihrem Hund üben, ist es ganz wichtig, dass der Boden nicht rutschig ist. Lässt sich das nicht vermeiden, können Sie mithilfe einer Matte dafür sorgen, dass Ihr Hund „einen guten Stand“ hat.

 

„Das muss er doch können!“

Holen Sie Ihren Hund dort ab, wo er ist. Wenn Sie noch so sehr überzeugt sind, er müsste dieses oder jenes bereits viel besser können – es nützt nichts. Beginnen Sie auf einem Niveau, auf dem Sie für Erfolg garantieren können. Und dann steigern Sie Schritt für Schritt Ihre Anforderung, natürlich immer nur dann, wenn der gegenwärtige gut sitzt. Hunde haben genauso Talente und Begabungen wie wir. Einer tut sich mit Bewegungsübungen leicht, ein anderer löst Apportieraufgaben oder Suchspiele mit Leichtigkeit. Geben Sie Ihrem Hund die Zeit, die er braucht und unterstützen Sie ihn.

 

Körpersprache

„Du weißt wohl nicht, mein Freund, wie grob du bist?“ Johann Wolfgang von Goethe

Ihre Körpersprache hat entscheidenden Einfluss darauf, ob eine Übung gelingt oder nicht. Vor lauter Anspannung und Konzentration neigen wir dazu, uns vorzubeugen und damit eine für den Hund unangenehme Situation zu erzeugen. Achten Sie auf Ihren Oberkörper und halten Sie sich gerade. Anfangs ist es oft hilfreich, wenn Sie sitzen, während Sie mit dem Hund üben, dann dabei sind Sie deutlich entspannter, als im Stehen.

 

All over the world

„Wie können Hundehalter den Hund an ihrer Seite ihren besten Freund nennen und gleichzeitig einen aktiven Leinenruck als Kommando für„Sitz“ anwenden… Gehen Sie ihren besten, menschlichen Freunden auch strangulierend an den Hals, um ihnen einen Platz auf der Couch anzubieten?“ Suse Freiberg

Hunde lernen im Gegensatz zu uns ortsgebunden. Es ist für Ihren Hund nicht selbstverständlich, dass die Sitzübung, die er zuhause in der Küche schon perfekt beherrscht, draußen im Garten genauso ausgeführt wird. Wenn Sie möchten, dass Ihr Hund dieses Verhalten auf Ihr Signal hin überall ausführt, dann üben Sie es nach und nach an unterschiedlichsten Orten, zu unterschiedlichsten Zeiten und mit unterschiedlichen Ablenkungen. So erreichen Sie, dass „Sitz“ irgendwann auch auf der Hundewiese oder beim Stadtausgang klappt.

 

Zur Fairness gehört auch, dass Sie bei steigender Ablenkung Ihre Anforderungen anfangs anpassen. Also erwarten Sie „Sitz“ nicht so lang und ausdauernd wie zuhause in der Küche.

 

Wenn Ihr Hund sich in bestimmten Situationen unmöglich benimmt, dann überlegen Sie sich, welches Verhalten Sie gerne sehen würden. Dieses üben Sie dann in aller Ruhe und selbstverständlich erst einmal außerhalb der schwierigen Situation.

 

Angenommen Ihr Hund zeigt die Tendenz Ihre Besucher anzuspringen. Dann könnten Sie sich vornehmen, folgendes Ritual zu etablieren: es klingelt, ihr Hund sucht seine Box oder sein Körbchen auf und bleibt dort in aller Ruhe liegen, bis Sie ihn dort abholen. Wenn Sie nun mit dem Training beginnen, dann ist natürlich weder eine BesucherIn noch die Klingel daran beteiligt – erst einmal. So lange Ihr Hund nicht OHNE Ablenkung in der Lage ist, auf Ihr Signal hin, sein Körbchen aufzusuchen und dort zu bleiben, solange brauchen Sie es MIT Ablenkung gar nicht erst versuchen. Bis schließlich wirklich Besuch kommt, hat Ihr Hund den Ablauf schon so oft geübt und so gut verinnerlicht, dass nichts mehr schief gehen kann.

 

Dass Sie auf dem Weg zum Erfolg großzügig mit Lob und Belohnung sind und für gute Stimmung sorgen, versteht sich von selbst.

 

Manchmal steht man einfach an und kommt alleine nicht mehr weiter. Vielen HundehalterInnen fällt es schwer, sich ein geeignetes Alternativverhalten (statt des unmöglichen Benehmens) zu überlegen und viele haben auch keine Vorstellung, wie ein guter Trainingsplan aussieht. Wenn es Ihnen so geht, dann lassen Sie sich helfen. Je nach Thema und Ihren Vorstellungen reicht manchmal sogar eine einzelne Beratung aus und Sie haben einen praktikablen Trainingsplan zur Hand, den Sie in aller Ruhe abarbeiten können.

 

Was auch immer Ihnen am Verhalten Ihres Hundes Sorge macht, nichts rechtfertigt einen groben oder gar tierschutzrelevanten Umgang – schon gar nicht im Training, und erst recht nicht unter Anleitung eines sogenannten Profis. Lassen Sie sich nicht einreden, dass es keine andere Möglichkeit gibt. Glauben Sie mir, es gibt immer eine freundliche Alternative.  Anschreien, Bedrängen, Würgen, mit Gegenständen bewerfen oder Anspritzen sind keine professionellen Trainingsmethoden – sie sind ein Armutszeugnis.

 

Sie sind die Vertrauensperson, Bindungs- und BeziehungspartnerIn Ihres Hundes – enttäuschen Sie ihn nicht.

 

Ihre

Karin Immler

 

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