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Terrier mit Herz c)schuesu

Nennen wir es Liebe

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie Ihren Hund anschauen, der vielleicht gerade selbstvergessen an etwas Unaussprechlichem knabbert oder den Schlaf des Gerechten schläft und gerade „so süß“ schnarcht? Und Sie dabei eine warme Welle durchläuft, von oben bis unten, die Ihnen beinahe die Tränen in die Augen drückt? In so einem Moment würden Sie alles tun, jeden Angreifer abwehren und Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit es diesem Tier gut geht. Was ist das, das diese heftigen Gefühle in Ihnen hochsteigen lässt? Nennen wir es Liebe?

 

Der Valentinstag steht vor der Türe und wie auch schon im letzten Jahr, möchte ich diesen Termin zum Anlass nehmen, ein bisschen über die Liebe im Allgemeinen und die Liebe zu unseren Hunden im Speziellen nachzudenken und habe für Sie in meiner Zitatensammlung gestöbert.

Liebe erklären?

Liebe zu erklären, daran versuchen sich Philosophen, Songwriter und FilmemacherInnen mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Laut Wikipedia ist Liebe eine Bezeichnung für stärkste Zuneigung und Wertschätzung.

 

Wenn es um die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund geht, ist inzwischen sogar die Wissenschaft durchaus bereit, das Wort „Liebe“ zu verwenden. Allen voran der Verhaltensforscher und Autor des Buches Hundeverstand, John Bradshaw „Einigen Kollegen ist der Begriff „Liebe“ nicht wissenschaftlich genug. Sie sprechen lieber von Bindungen und Verbundenheit. Ich wüsste nicht, warum man das nicht Liebe nennen sollte.“

 

Auch der österreichische Biologe, Verhaltensforscher und Autor, Kurt Kotrschal nimmt sich in seinen Büchern dieser besonderen Beziehung an. „Einfach beste Freunde“ sind Mensch und Hund nach seiner Meinung und er plädiert für das „Menschenrecht auf Hundehaltung“ und das „Hunderecht mit verständigen Menschen zu leben“.

 

Seit wann haben Tiere Gefühle

Tatsache ist, dass die gemeinsame Geschichte von Mensch und Hund, die ja bereits mindestens 35000 Jahre dauert (nach neuesten Erkenntnissen dürfte es sogar noch ein ganzes Stück länger sein), ein intensives Zusammenwachsen mit sich brachte. Hunde haben sich deutlich an uns angepasst und gelernt, uns zu lesen, unsere Stimmungen und unsere Befindlichkeit zu erfassen. Umgekehrt waren wir weniger bemüht! Erst in den letzten Jahren gibt es ein deutliches Umdenken in der Beziehung zu unseren Hunden und wir Menschen fangen an, darüber nachzudenken, wie es den Tieren tatsächlich geht. Wir anerkennen, dass sie Gefühle haben. Glück, Freude, Trauer, Enttäuschung und Ärger sind Gefühle, die wir unseren Hunden inzwischen zutrauen. Aber Liebe?!

 

Ist es Liebe?

„Ist es Liebe?“ fragt Tevje, der Milchmann aus dem Dörfchen Anatevka seine Frau Golde, die er vor 25 Jahren auf Wunsch der Eltern geheiratet hat. Ist es Liebe, was unsere Hunde für uns empfinden, fragen wir uns mitunter.

 

Marc Bekoff empfahl dazu „Wenn man also nicht sicher ist, ob ein Tier eine Emotion hat, sollte man besser davon ausgehen, dass sie da ist, denn dann ist man vorsichtiger und auf der sicheren Seite im Umgang mit dem Tier“. Und bei einer anderen Gelegenheit meinte er „Mit einem Hund zu leben bedeutet, aus erster Hand zu wissen, dass Tiere Gefühle haben. Da braucht man gar nicht lange nachzudenken.“

 

Rosina Sonnenschmidt, die Grande Dame der ganzheitlichen (Tier-)Heilkunde drückt es noch deutlicheraus: „Die bedingungslose Liebe geht von einer Ebenbürtigkeit der Geschöpfe aus“. (aus Heilende Hände für Tiere)

 

 „Menschen schaffen Hunde an, weil sie sich nach einer innigen Beziehung zu einem anderen Lebewesen sehnen“ begründet Elisabeth Beck in Wer denken will, muss fühlen die Anschaffung eines Hundes.

 

Jeffrey Moussaieff Masson folgert in Hunde lügen nicht: die großen Gefühle unserer Vierbeiner, dass Hunde „…selbstverständlich Gefühle haben und dass es unser gemeinsames Gefühlsleben ist, das uns aneinander bindet.“

 

Intensive Gefühle

Andrea Frankrone, von der das wunderschöne Buch Ich sehe mit dem Herzen stammt, schildert darin unter anderem die innige Beziehung zu ihrem Hund Clarence „Für Clarence und mich hätte auch ein Leben ganz ohne Worte gereicht. Ich kann mich kaum an eine Situation erinnern, in der einer nicht vom anderen wusste, worum es ging.“

 

Besonders warm ums Herz wird mir bei folgendem Satz, den ich in Mirjam Cordts  Hundereich gefunden habe. Es geht dabei um ihr Faible für alte Hunde: „Es berührt mich tief und erfüllt mich mit Dankbarkeit, dass ich es sein darf, dem sie sich so vertrauensvoll hingeben.“

Auch die bekannte Autorin Patricia McConnell hat über die Liebe zwischen Mensch und Hund geschrieben und zwar über ihre ganz persönliche Liebe zu ihrem Border Collie Luke „Ich liebe ihn so tief und vollkommen, dass ich mir seinen Tod so vorstelle, als ob aller Sauerstoff aus der Luft genommen würde und ich ohne ihn zu überleben versuchen müsste.“

 

Wir Hundemenschen zweifeln ohnehin nicht daran, dass es diese Liebe zwischen Mensch und Hund gibt, dieses Gefühl einer besonderen Verbindung – auch wenn wir sie nicht erklären

können. Was für eine schöne Entwicklung, dass immer mehr Menschen einen innigen, wertschätzenden und empathischen Umgang mit ihren Hunden pflegen, WissenschaftlerInnen miteingeschlossen. Es gibt kluge und gefühlvolle Bücher, wir dürfen laut darüber nachdenken und sogar Blogartikel schreiben und auch wenn wir vielleicht noch dort und da ein bisschen scheel angesehen und belächelt werden, ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrem Hund einen wunderschönen Valentinstag und verbleibe

herzlichst

Ihre

Karin Immler

 

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11 comments

  1. Heike Amthor says:

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Die Textstellen werde ich mir noch einmal genauer ansehen… Ich denke ohnehin, dieser ganze Aufschrei wegen der Vermenschlichung hat seine Ursache in der Angst, dem Tier Seele und Rechte zuzugestehen, denn damit verliert Mensch ja seine selbst definierte Vormachtstellung.
    Ja. Ich nenne es Liebe!???? Schönen Valentinstag!????

  2. claudia says:

    Liebe Hundehalterinnen und Hundehalter,
    wenn man das Wort Liebe aus einem spirituellen Winkel aus betrachtet, bedeutet sie schlichtweg “sich dem Leben und seinen darin wohnenden Beziehungen ganz hinzuwenden um dem Leben zu dienen“…..und keineswegs um eine Gefühlsduselei. Und unter diesem Aspekt kann ich für mich ganz klar sagen, Hunde und auch alle anderen Tiere verdienen diesen Respekt mit ihnen in Beziehung zu stehen ohne sie auf unsere Ebene zu zerren.
    Die Bindung zu einem Tier kann sehr eng sein und das darf Platz haben.
    Ich zitiere hier noch den Spruch von Mahatma Gandhi:
    * Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.*
    Man sollte das von allen Seiten betrachten wollen, denn ein zu viel ist genauso wenig angebracht wie ein zu wenig……
    …in diesem Sinne einen wunderschönen Valentinstag …. der ja im Grunde ja nur wirtschafliches Interesse zeigt :-)))))

      • claudia says:

        Liebe Karin, ich lese Ihre Newsletter immer sehr gerne. Ich bin nicht die große Blogschreiberin. Doch dieses Thema wollte einfach rezensiert sein.
        Ich selbst habe und hatte stets eine enge Bindung zu meinem Hund, zu meinen Hunden und ein Leben ohne sie wäre für mich undenkbar. Jeder Hund ist anders und hat seine persönliche Note und man muss sich immer wieder neu einlassen. Ich bin auch davon überzeugt, dass eine ehrliche Hinwendung zum Hund, zu jedem Tier das in meiner persönlichen Welt Platz gefunden hat, einem zu einem besseren Menschen macht. Wenn man bereit ist zu reflektieren, bereit ist das zu hören was Tiere einem vermitteln. Nur so ist eine enge und Beziehung möglich. Vielleicht fällt es uns Menschen leichter dies mit Hunden einzugehen, weil sie stets unmittelbar und ehrlich auf uns reagieren wie es auch Kinder bis zu einem bestimmten Alter leben.
        Jeden Tag staune ich auf’s Neue mit welcher Hingabe mein Rüde (übrigens ein Tierschutzhund aus Spanien) sich seinen Aufgaben stellt, wie gerne er mitdenkt und komplizierte Spiele mit Begeisterung spielt. Wie stolz er ist wenn er gelobt wird, wie er sich freut wenn ich mich freue…….und mit welcher Energie er mit mir durch die Natur stürmt, immer zurückkommt und immer selbstbewußter wird.
        Sagt man nicht auch ‚die Liebe macht schön und selbstbewußt’….. er war vor knapp zwei Jahren noch ein überängstlicher und unsicherer Hund.
        Es ist schön, dass es immer mehr verantwortungsvolle Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer gibt wie ich in diesem Blog erahnen kann.
        Vielen Dank für Ihre Mühen diese Seiten zu füllen. Vielleicht lesen wir uns ja wieder einmal. Inzwischen alles Liebe für Sie. Claudia

  3. Franziska says:

    Wie schön und ja, es darf nicht nur darüber nachdecht werden, sondern inzwischen sogar wissenschaftlich bewiesen werden, dass Empathie auch artübergreifend stattfindet.

    Ich persönlich finde einen der innigsten Momente, wenn mir bewusst wird, wie sehr mir mein Mädchen in vielen Situationen vertraut, sich auf mich verlässt und sich mir verantwortet. Denn: ausgesucht hat sie mich ja eigentlich nicht … oder doch?
    Happy Valentine liebe Karin!

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