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Und dann hat es „click“ gemacht

Bei mir hat es – spät – „click“ gemacht!

Ich kann mich noch erinnern (….also ehrlich gesagt, hat meine Freundin Ilse mich daran erinnert), wie ich reagiert habe, als sie vor vielen Jahren von einem der damals raren Seminare für fortschrittliche HundetrainerInnen kam und vom Clickertraining erzählt hat. Ja, ich gebe es zu, ich habe sie ausgelacht. Eine Schande sowas!

Allzu absurd erschien mir damals der Gedanke, Hundeerziehung könnte mithilfe dieses kleinen Knack-Dings einfacher sein. Ich habe mich dann doch irgendwie darauf eingelassen und wollte es ausprobieren, dieses moderne Training. Nachträglich betrachtet habe ich dabei falsch gemacht, was man nur falsch machen kann.

Was soll ich denn mit diesem Ding?

 

Daher verstehe ich heute meine KundInnen so gut . Ich hatte zu dieser Zeit eine etwas schüchterne Berner Sennenhündin mit leichter Geräuschangst. Die Clicker waren damals große Boxenclicker und schrecklich laut. Und natürlich habe ich meiner armen Hündin den Clicker mitten ins Gesicht gehalten beim clicken. Ihre Begeisterung war dementsprechend gering und sie hat erst einmal die Flucht ergriffen.

Wirklich zum Clicker-Training gekommen bin ich erst ein paar Jahre später mit meinem nächsten Hund. Das erste Clicker-Seminar, an dem ich teilnahm, hat dann tatsächlich meine Herangehensweise nachhaltig verändert. Wenig Theorie, aber sehr viele praktische Übungen – und meine Begeisterung war geweckt.

 

 

Konnte es so einfach sein? Durfte es so einfach sein?

Den besten Kandidaten, um diese Technik „by doing“ zu erlernen, hatte ich zuhause. Und zwar in Form eines Tierschutzhundes, der keinerlei Notwendigkeit sah, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Ich begann damit, freiwillig angebotenen Blickkontakt zu clicken – erst ein wenig skeptisch (Konnte es so einfach sein? Durfte es so einfach sein?), doch dann mit wachsender Begeisterung. Und seither ist der Clicker aus meinem Leben und aus dem meiner Hunde nicht mehr wegzudenken.

 

Servolenkung im Hundetraining

 

„Ich glaube, dass wir in unserem Leben häufig zu wenig Spaß haben, insofern ist etwas mehr Spaß durchaus für uns alle sehr schön.“ Manuela Zaitz

Das soll keineswegs heißen, dass man seinen Hund ohne Clicker nicht erziehen kann. Natürlich geht es auch ohne Clicker – nur mit ist es halt viel einfacher. Der Clicker ist sozusagen eine Servolenkung fürs Hundetraining. Dieses klare prägnante Geräusch gibt zunächst einmal eine ganz eindeutige Information: „jetzt ist es toll!“ Jedes Mal wenn der Click ertönt, heißt das „jetzt ist es toll!“ Und da dem Click ja auch immer eine Belohnung folgt wird es von Mal zu Mal für den Hund noch mehr zu „Toll! Ja! Super!“ Es gibt keine Einschränkung für dieses „toll!“. Auch wenn Sie vielleicht das Gefühl haben, der Hund hätte jetzt  besser gekonnt oder da sei doch nichts dabei. Ihre Stimme dagegen, würde diese kleinen Abstufungen mit vermitteln, wodurch das „toll“ dann ein ganz klein wenig, ein klein wenig, wenig oder doch schon etwas deutlicher abgewertet würde. Doch der „Click“ macht einfach Spaß!

 

 

Vielen Menschen ist nicht klar, wie kleinschrittig gutes Training mit dem Hund aufgebaut sein soll und wie wichtig es ist, all die vielen Zwischenschritte tatsächlich auch als Teilerfolge wahrzunehmen und zu feiern. Mit dem Clicker lässt sich dieses Schritt-für-Schritt-Training besonders gut umsetzen: erst das Kriterium für den Click festlegen und dann geht’s los. Ist das Kriterium erfüllt – Click und Belohnung. Auf diese Weise wird schnell deutlich, welche Zwischenschritte Ihr Hund machen muss um dorthin zu kommen, wo Sie ihn gerne hätten. Und Sie schärfen Ihren Blick für die vielen kleinen Erfolge auf dem Weg zum Trainingsziel.

 

Aus der Hundeschule geplaudert

“ So manche Klientin hat sogar schon davon berichtet, dass die Veränderung der Perspektive, sich auf erwünschtes Verhalten zu konzentrieren, sich auch auf andere Lebensbereiche positiv auswirkt.“ Sunny Benett

Eine Kundin, die im vergangenen Jahr in meiner Hundeschule war, hatte sogar keine Lust, mit dem Clicker zu trainieren. Es sei schließlich mit dem Vorgängerhund auch ohne gegangen. Ihr Sohn brachte sie schließlich dazu, es einfach auszuprobieren. Nach 2 oder 3 Wochen kam sie freudestrahlend zu mir, um sich zu bedanken. Sie sei so glücklich, dass sie sich auf dieses „Dingsda“ eingelassen hätte und würde auch nie mehr darauf verzichten wollen.“Ohne Clicker wäre ich nie drauf gekommen, was mein Hund ohnehin alles richtig macht!“

Das ist eine der wichtigsten Nebenwirkungen des Clicker-Trainings: es verändert die Sichtweise und bringt uns weg von dem, was alles nicht klappt, und hin zu dem, was klappt, was es zu stärken und zu fördern gilt.

Das ist eine Sicht der Dinge, die weit über das Hundetraining hinaus hilfreich ist. Dieser Fokus lässt Sie mit vielen Herausforderungen wesentlich entspannter umgehen, als die gängige Praxis,   immer nur auf den Defiziten und den Fehlern herumreiten.

 

Markertraining heißt die Devise

Der Click ist ein Markersignal, das Clickertraining ist eigentlich ein Markertraining und natürlich gibt es noch eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten für so ein Markersignal. Gerade am Anfang ist es „technisch“ eine gewisse Herausforderung, bis die Verwendung des Clickers locker von der Hand geht. Und vielen Menschen erscheint sie zunächst umständlich, vor allen Dingen deshalb, weil es etwas Übung braucht, bis die Reihenfolge sitzt. Hat man erst einmal verinnerlicht, dass der Click „pünktlich“ sein muss und der Griff in den Futterbeutel oder nach dem Spielzeug erst danach kommt, wird es schon wieder einfacher. Es ist ein bisschen wie beim Stricken: erst wenn die Stricknadeln wie von selber die Wolle aufgreifen, macht es Spaß einen Pullover zu stricken.

 

„Arbeite gut, nicht hart“            Dr. Gregory House

Tatsächlich gebe ich in meiner Hundeschule dem Clicker den Vorzug gegenüber einem Markerwort. Denn oft erlebe ich, dass das Markerwort von einer Trainingseinheit bis zur nächsten gewechselt wird – oft sogar mehrmals. Das Markerwort wird auch eher ein paar Mal hintereinander verwendet – weil man sich gerade so freut – als der Clicker. Und vor allen Dingen beobachte ich, dass die Regel „Click = Belohnung“ sich besser in den Köpfen der Menschen festsetzt als die Regel „Markerwort = Belohnung“.  Später dann auf ein Markerwort umzusteigen bzw sowohl Click als auch Markerwort zu verwenden, ist aber gar kein Problem.

 

Trallala-Training mit Hurra-Effekt

 

Clickertraining hat noch immer sowas von „Trallala-Training“ für Kunststückchen und so weiter. Und es stimmt, mit dem Clicker können Sie tausendundeine Bewegung einfangen und shapen und viele lustige Tricks einstudieren. Nebenbei bemerkt, ist Tricktraining nicht annähernd so albern, wie viele glauben. Es ist z.B. wunderbar als Tierarzttraining geeignet.

Immer mehr spricht sich aber auch herum, wie hilfreich Clickertraining im Zusammenhang mit problematischen Verhalten ist. Gerade bei Verhaltensweisen, die Sie als gefährlich bewerten oder die Ihnen sehr unangenehm sind, ist Ihre Stimme ein Spiegelbild ihrer Emotionen und dadurch als Marker für „super, toll, prima“ nur bedingt geeignet.

Dem Hurra-Effekt, den ein gut konditionierter Click auslöst, kann sich der Hund nicht entziehen. Selbst dann nicht, wenn er gerade ganz schlecht drauf ist. Das ist einer der Gründe, warum Clickertraining bei unerwünschtem Verhalten ein wichtiges Instrument sein kann. Ein weiterer ist das Timing, denn mit dem Clicker – so Sie ihn parat haben – lässt sich punktgenau markieren. Ihr durch das Clickertraining bereits geschulter Blick auf Zwischenschritte – und seien diese noch so klein – ist dabei äußerst hilfreich.

 

 

Jedenfalls möchte ich gerade in diesem Bereich ganz und gar nicht mehr auf den Clicker verzichten. Und viele meiner (ehemaligen) KundInnen ebensowenig. Also, falls Sie nicht ohnehin schon zur Clickerfraktion gehören, wäre vielleicht jetzt eine gute Gelegenheit, mit dem Clickertraining loszulegen.

 

Ich wünsche Ihnen viel fröhliches Wedeln in Ihrem Leben und freue mich über Kommentare und Anregungen.

Ihre

Karin Immler

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2 comments

  1. Barbara says:

    …und auch nach vielen Jahren freuen sich die mittlerweile greisen Hunde über das wunderbare Trallala-Training und machen im Rahmen ihrer Möglichkeiten begeistert mit! Und bleiben so nebenbei gut in Schuß:)

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